Pattarina - Schnittmuster ohne Kopieren oder Kleben

Alles zum Thema Schnittmuster, ob Schnittzeitschriften oder Bücher wird hier diskutiert.

Pattarina - Schnittmuster ohne Kopieren oder Kleben

Beitragvon ju_wien » 25.09.2018 10:13

In einem anderen Forum wird grad über eine Smartphone App zum Übertragen von Schnittmustern diskutiert. Sie heißt "Pattarina" und soll das Abkopieren vom Schnittbogen und das Zusammenkleben von Downloadschnitten unnötig machen. Man wählt einen Schnitt aus, fotografiert den aufgelegten Stoff und das Handy zeigt an, wo man die Linien auf den Stoff malen soll. Hier gibt es ein Vorführvideo dazu https://www.pattarina.de/ und im Blog werden ein paar Features genauer erklärt https://blog.pattarina.de/

Da ich kein Smartphone habe, kann ich es nicht ausprobieren, aber vielleicht hat eine von euch ja Lust, sich zum Testen anzumelden.

Bei einfachen Schnitten und Materialien (im Demovideo geht es um einen Rollkragenpullover) kann ich mir die Methode gut vorstellen. Bei flutschigen Stoffen sind zwei Hände schon zu wenig, wenn ich da in einer noch das Handy halten und mit der anderen malen soll, krieg ich die Krise!

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Re: Pattarina - Schnittmuster ohne Kopieren oder Kleben

Beitragvon Zora » 25.09.2018 11:42

Der Test ist ja leider räumlich begrenzt, da komm ich leider nicht in die Nähe.

sieht aber spannend aus, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass das wirklich klappt.

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Re: Pattarina - Schnittmuster ohne Kopieren oder Kleben

Beitragvon ju_wien » 25.09.2018 15:53

Rein technisch glaube ich schon, dass es klappen kann. Die Tücken liegen, wie meistens, im Detail. Wie genau muss man das Handy zum Stoff ausrichten, damit parallele Linien auch parallel bleiben und nicht zusammenlaufen? Wie verhindere ich Verwackeln? Gibt es bei den Schnittmustern auch Passzeichen usw? Bei dem Demopullover sind keine zu sehen.

Dann das Aufzeichnen der Linien. Im Blog schreiben sie, dass Trickmarker sich besser eignen als Schneiderkreide oder Kreidestifte, weil sich die Stoffe umso mehr verziehen, je mehr man aufdrücken muss. Das ist soweit verständlich.

Aber:

Trickmarker haben auch ihre Tücken. Die wasserlöslichen darf man nur für waschbare Stoffe verwenden. Damit sind manche Seiden- und Wollqualitäten schon einmal draußen. Die selbstauslöschenden muss man nicht auswaschen, aber sie löschen sich nach ein paar Stunden wirklich von alleine. Das habe ich schon erlebt, als ich nach ein paar Stunden Abwesenheit dort weitermachen wollte, wo ich aufgehört hatte und alle mühsam ausgemessenen und aufgezeichneten Rüschenteile neu ausmessen und aufzeichnen musste, weil die Linien einfach weg waren! Für Werkstücke die man nicht schnell in einem halben Tag aussucht, zuschneidet und ohne viel Anprobieren zusammennäht, sind diese Trickmarker also nicht geeignet. Bei beiden Arten von Trickmarkern steht in der Gebrauchsanleitung, dass man nicht über die Markierungen bügeln soll, weil die Farbe dann möglicherweise nicht mehr rausgeht. Wie soll man dann dressieren und ordentlich nähen?

Trickmarker sind für manche Arbeiten super, vor allem, wenn es darum geht, Punkte oder Linien zu markieren, die man nur für den nächsten Arbeitsgang braucht. Aber sie können Schneiderkreide, Kopierpapier und Heftfaden nicht ersetzen.

Abgesehen von den Markierwerkzeugen:

Wann/wie kann ich Änderungen machen? Die meisten Fertigschnitte passen ja genausowenig perfekt wie Fertigkleidung, weil die wenigstens von uns genau 168 cm groß sind und genau die Maße und Proportionen haben, die für den Schnitt als Grundlage herangezogen wurden. Außerdem will ich den Rock vielleicht länger oder kürzer und den Ausschnitt ein wenig anders geformt, andere Taschen oder WWI. Auf dem Papierschnitt kann ich herummalen, Länge oder Weite wegfalten oder durch Einschneiden und Ankleben Länge und Weite zugeben usw. Auf dem Stoff geht das nur eingeschränkt und wenn einmal zugeschnitten ist, ist es sowieso zu spät.

Wenn ich ein Modell nur genau ein Mal nähe, spare ich mir mit der Handymethode vielleicht Zeit, weil ich den Schnitt nicht zuerst aufs Papier kopieren muss. Basics wie Rollkragenpullover, T-Shirts, Hemdblusen usw. näht man aber oft in mehreren Farben oder Mustern nach demselben Schnitt, gerade, wenn man schon weiß, dass der gut passt und wo man eventuell ändern muss. Wenn ich den Papierschnitt schon fertig habe, geht das Übertragen auf den Stoff damit aber ganz sicher schneller als mit der Handymethode. (Bei sehr einfachen Modellen erspare ich mir das Aufzeichnen in solchen Fällen ganz, schneide einfach in konstantem Abstand um den Papierschnitt herum und mache allenfalls Knipse bei den Ärmeleinsetzzeichen, damit ich nachher noch weiß, wo hinten und vorne ist.)

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