Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?

Alles zum Thema Schnittmuster, ob Schnittzeitschriften oder Bücher wird hier diskutiert.

Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?

Beitragvon Zora » 03.10.2018 14:08

Hallo ihr lieben *wink*
ich näh ja jetzt schon fast ein Jahr und habe jetzt ein paar Oberteile aus Stretch mit verschiedenen Methoden nach verschiedenen Büchern genäht.
Was mir dabei auffällt:
Im Kleiderbuch von Rosa P., das explizit nur über Stretch geht, sind ärmel und Armausschnitte wie bei steifen Stoffen geformt. Mit einer Armkugel, differenz vorne und hinten etc.
Bei Anna von einfach nähen gibt es auch Schnitte, bei denen einfach aus geraden Linien Vierecke oder Trapeze konstruiert werden, aus denen ebenfalls tragbare Oberteile aus Stretch werden.
Da frage ich mich inzwischen: macht's denn wirklich einen Unterschied? *kratz* Im Getragenen Zustand würde mir bei einfacheren Schnitten auch nicht auffallen, dass es schlechter sitzen würde...Die faule Näherin denkt sich da dann: Warum überhaupt umständlich Schnittmuster abkopieren wenn es (bei unaufwendigen Sachen) auch einfacher geht?

Zora
 
Beiträge: 204

Re: Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?

Beitragvon ichthys81 » 03.10.2018 16:10

Wirklich? Aus einem 4-eck kann man ein T-Shirt nähen? Bisher habe ich immer (einfache) Schnittmuster abgepaust. Der Unterschied wird die Betonung der Figur sein. Aus einem Rechteck kann man sicher toll ein Fledermaus- T-Shirt machen, für Körpernahes wird man halt doch wieder ein Schnittmuster nehmen müssen.

ichthys81
 
Beiträge: 630
Wohnort: Linz

Re: Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?

Beitragvon Zora » 03.10.2018 16:34

Also ich habe dieses Buch "Näh dir deinen Style" von meiner Mama bekommen und im Grunde funktioniert das "Vierecks-Shirt" eigentlich ziemlich gut. Ich habe mir da am Anfang einfach ein paar schwarze Shirts aus Jersey genäht und es sieht an mir jetzt nicht groß anders aus als die Kauf-Shirts, die ein wenig tailliert sind und ein gebogenes Ärmelloch haben, aber vielleicht bin ich auch ein wenig großzügig in der Bewertung?
Es ist im Grunde ein Rechteck in Schulterbreite und Rechtecke als Ärmel. Sehr simpel.

Zora
 
Beiträge: 204

Re: Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?

Beitragvon ichthys81 » 04.10.2018 06:49

Hast du vielleicht ein Foto von so einem T-Shirt?
Meine Bedenken sind, dass die Ärmel wegstehen, also wie zwei Rechtecke nebeneinander. Ist da nicht viel Stoff bei den Achseln?
Irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen...

ichthys81
 
Beiträge: 630
Wohnort: Linz

Re: Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?

Beitragvon ju_wien » 04.10.2018 13:15

Stretchschnittmuster - wie kompliziert soll es sein?


Radio Eriwan sagt: "Je nachdem".

Je mehr der Stretch in alle Richtungen nachgibt, desto "weniger" muss das Schnittmuster leisten.
Je kurviger die Figur ist, desto wichtiger sind Abnäher.
Wenn sich der Stretch in einer Richtung dehnen muss, um um die Kurven zu passen, wird er in der anderen Richtung kürzer. (Das führt zB bei Miniröcken oft zu recht merkwürdigen Verformungen, die die Trägerin selbst nicht sieht, weil sie vor allem hinten auftreten.)

Stretch kann man nach herkömmlichen Schnitten mit Abnähern usw. nähen, man muss aber nicht. Die Überlänge an der Ärmelkugel hinten und oben kann man eliminieren. Abnäher beim Ellenbogen und Schulterblattabnäher kann man auch streichen.

Ob man Brustabnäher streichen kann/will, hängt a) von der Figur ab (bei A Körbchen geht das recht problemlos, bei D oder größer wird es mühsam/hat es Nebenwirkungen) und b) davon, wie figurbetont man die Teile gerne trägt.

Ganz enge Stretchoberteile werden nach dem Maß des Taillenumfangs zugeschnitten und über Brust und Hüften muss sich der Stoff eben dehnen. Das kann gut funktionieren oder auch nicht. Bei gemusterten Stoffen sieht man genau, wo es sich dehnt. Das kann ein gewünschter Effekt sein oder auch nicht. (Siehe auch die Leggings, die sich über jeden Po zerren lassen, aber dabei transparent werden.) Und man muss die Längenänderung berücksichtigen (siehe oben) wenn man nicht nicht auf bauchfreie Wintersachen steht ;-)

Grundsätzlich kann man alle möglichen Kleidungsstücke aus allen möglichen Materialien aus einfachen Grundformen (Rechteck, Quadrat, Kreis ...) zusammensetzen. Gibt es alle paar Jahre wieder. ZB Blusen und Tops aus Seidentüchern oder Röcke, die aus lauter Stoffquadraten zusammengesetzt sind, sogar Hosen können so funktionieren. Historische Schnitte waren oft so gebaut, zB alte Dirndlblusen und Herrenhemden, Kimonos, Capes. Klassische (Herren-)T-Shirts heißen so, weil sie T-förmig sind, dh ein Rechteck vorne und hinten und daran angesetzt Rechtecke für die kurzen Ärmel, kein Armloch, keine Ärmelkugel. Ganz so elegant und faltenfrei wie ein eingesetzter Ärmel sitzt so ein T-Shirt-Ärmel nicht, aber bei Strickwaren (auch bei handgestrickten Pullovern) funktioniert er, wenn der Strick einigermaßen nachgibt und nicht so dick ist, dass er sich unter den Armen unangenehm "staut". Aus Webware (Dirndlblusen, Kimonos) funktioniert sowas nur, wenn der Schnitt eher lose ist und wenn man sich nicht heftig bewegt. Außerdem muss man damit rechnen, dass die Naht unter der Achsel bald einmal aufreißt. (Daher gibt es als Verbesserung des einfachen T-förmigen Zuschnitts ein T mit Achselkeil.)

Zusammengefasst: um Experimentieren wirst du nicht herumkommen. Du kannst aber auch einmal einen Regentag in einem Kaufhaus oder Einkaufszentrum verbringen und dir dort anschauen, wie elastische Modelle in der Konfektion gefertigt werden.

ju_wien
Co-Chief
 
Medaille: medaille
Beiträge: 2117
Bilder: 40
Wohnort: 1210 Wien


Zurück zu Schnittmuster, Zeitschriften und Bücher

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder

cron