Dirndlrevue 2022

Alles zum Thema Schnittmuster, ob Schnittzeitschriften oder Bücher wird hier diskutiert.

Dirndlrevue 2022

Beitragvon ju_wien » 16.01.2022 06:52

Seit ein paar Tagen liegt die Dirndlrevue 2022 in den Trafiken. Wie üblich, gibt es alle Modelle in 3 Größen, insgesamt werden die Damengrößen 34 bis 48 abgedeckt. Auf dem Titelblatt findet sich ein tief ausgeschnittenes Dirndl, wie sie in den 1960er Jahren allgegenwärtig waren. (Man sieht auch gleich das Problem bei diesen Schnitten: bei zierlicher Oberweite steht das Mieder ab und größere Oberweiten quellen heraus, was auch nicht gut aussieht.) Es gibt aber auch einige "normale" Dirndloberteile und einige dirndlähnliche Sommerkleider mit und ohne Ärmel.

Besonders gut gefällt mir ein Janker mit Schößchen, den man sowohl zum engen Rock wie auch zum Dirndl tragen kann und ein vereinfachtes Wachauer Dirndl.

Für Herren gibt es einen Janker und eine Weste, für Kinder ein Dirndl mit Bluse (Gr. 104, 116, 128) und eine (Buben-)Weste (Gr. 104, 106, 122).

Die Anleitungen sind (wie immer) knapp gehalten. Man sollte also ein bisschen Erfahrung oder genügend Vorstellungsvermögen haben.

Eine Übersicht über die Modelle sieht man hier https://stapftextil.at/wordpress/wp-con ... 022-kl.jpg

Alle Modelle aus dem Heft sieht man derzeit auf der Website von Belousek https://shop.belousek.at/nahzubehor/met ... r.html?p=1 (einkaufen können dort nur gewerbliche Abnehmer_innen).

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Re: Dirndlrevue 2022

Beitragvon insa-ana » 16.01.2022 18:25

Schööön, ich mag Dirndl. Ich habe schon lange keines genäht. Aber eine angefangene Sieveringer Tracht liegt hier rum. Vielleicht wird es dieses Jahr noch was. ;)
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Re: Dirndlrevue 2022

Beitragvon ju_wien » 17.01.2022 09:15

Sieveringer Tracht mit Schnürverschluss im Rücken? Oder schummelst du, damit das Ding leichter anzuziehen wird?

OT: Da ich zunächst zu faul war, um aufzustehen und das Buch über die Dirndl im Raum Wien (Hilde Seidl) zu holen, habe ich im Web nach "Sieveringer Tracht" gesucht und zunächst merkwürdige T-Shirts gefunden und dann Artikel darüber, dass Wien (wieder einmal) ein eigenes Dirndl bekommen hat, auf Initiative der Wr. Landwirtschaftskammer, entworfen von der nö Trachtenschneiderin und Unternehmerin Elfriede Maisetschläger.

Der Kittel (Oberteil + Rock) besteht aus dunkelblauem Stoff, der Ausschnitt ist vorne rechteckig (aus den Trägern gebildet), hinten spitz. Schürze bei der Alltagsversion aus rot bedruckter Baumwolle in einem "Freundschaftsmuster", bei der Festtagsversion aus gelber Seide. Rot steht für Wein, gelb für Getreide, blau für reines Wasser. Es werden Metallknöpfe mit Wien-Wappen verwendet. (Was bei historischen Alltagsdirndln unüblich war, da man Metallknöpfe früher meist aus Silber und daher teuer und der der Festtracht vorbehalten waren. Außerdem sollte eine Alltagstracht gut waschbar sein, das Dirndl wurde ja täglich bei der Arbeit getragen.) Außerdem ist in den Texten von einer "W"-förmigen (für "Wien") Applikation an den Trägern und am Rücken die Rede, die man auf den wenigen gefundenen Fotos aber nicht erkennen kann. Vienna.at erwähnt auch noch Variationen: roter Leiblkittel oder blauer Leib mit kariertem Rock und Kittelblech.
Bei den Blusen ist "alles möglich" ;-) Auf den Fotos sieht man schmale kurze und weitere lange und auch Puffärmel. Ausschnitt meistens mittelgroß und rund (was nicht wirklich zum eckigen Ausschnitt des Leibls passt). Aber anscheinend kann man einfach irgendwelche Blusen tragen, die man im Kasten findet. Praktisch *cool*

https://wiev1.orf.at/stories/117783
https://www.derstandard.at/story/249039 ... orgestellt
https://www.vienna.at/das-neue-wiener-dirndl/2528913

Das beste Foto habe ich bisher im Tätigkeitsbericht 2006 der Wr. Landwirtschaftskammer gefunden https://wien.lko.at/media.php?filename= ... 20Teil%201

Da ich sehr selten zum Heurigen gehe und dann meistens zu kleineren, weiß ich nicht, ob das Wiener Dirndl von den Wiener Heurigenwirtinnen und dem Personal getragen wird (was die Idee hinter der Initiative der LK war).

Wenn man nach "Wiener Dirndl" sucht, findet man Produkte aus Kornelkirschen ;-) 2006 gab es offenbar auch einen Prospekt zu den Dirndln der Landwirtschaftskammer, aber der ist verschollen.
Was ein "Freundschaftsmuster" sein soll, habe ich auch noch nicht herausgefunden. Auf den Fotos sieht es nach einem gedruckten Streifenmuster mit Mäandern oder sonstigen gedruckten Motiven dazwischen aus. (Googeln nach "Freundschaftsmuster" findet Anleitungen für geknüpfte Bänder und (amateur-)psychologische Abhandlungen über Beziehungen. Außerdem eine herrlich nostalgische Pyrex-Schüssel mit aufgedruckten Vögeln (die ein wiederkehrendes Volkskundemotiv sind).

Und die "gelbe" Seidenschürze hat auf den Fotos alle möglichen Farben, die nur sehr entfernt "gelb" aussehen.

ETA: Die Knöpfe mit dem Wiener Wappen finde ich auch nicht. Ich weiß bisher auch nicht, welches Wiener Wappen dazu verwendet wird (nur das Schild oder Vogel mit Schilde?) https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Wiener_Wappen

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Re: Dirndlrevue 2022

Beitragvon insa-ana » 17.01.2022 18:56

Ich glaube ich hatte mich gestern schon dumm geputzt. Ich meinte nicht die Sieveringer Tracht. Die hatte ich überlegt, aber dann wegen der Rücken Schnürung verworfen. Ich meinte die Grinzinger mit vorderer Schnürung in meinem Fall hellbraunem Oberteil hell lila Kittel und rosa Schürze. Ist nicht hundertprozentig original, ich habe beschlossen es gibt immer individuellen Spielraum bei Trachten. :D
Schade, jetzt werde ich wohl nie erfahren was ein Freundschaftsmuster ist. Dabei hatte ich gehofft du wüsstest es *lach*
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Re: Dirndlrevue 2022

Beitragvon ju_wien » 17.01.2022 19:31

Alles klar. Farben und Muster kann man ja nach Wunsch (und nach Verfügbarkeit) wählen. Ein Trachtendirndl ist schließlich keine Uniform.

Bei Dirndln mit Verschluss im Rücken habe ich schon den ketzerischen Gedanken gehabt, in der Seitennaht einen Zipp einzunähen und den Knopf- oder Schnürverschluss nur als Dekoration zu gestalten. Das würde das Anziehen deutlich erleichtern (vor allem uns reiferen Dirndln).

Ich habe bei der Landwirtschaftskammer nach Informationen zu dem "Wiener Dirndl" angefragt, aber nur den Tipp bekommen, mich an die Designerin zu wenden. Die in den ersten Jahren immer wieder aufgelegte Broschüre dürfte inzwischen auch vergriffen sein.

Beim Rumklicken eben gesehen: Das rote Winterdirndl hier in der Mitte der Seite habe ich fast genauso auch! https://www.ninasneedles.com/dirndl-tra ... enerdirndl (Ärmel bei mir bis zum Handgelenk und die Schürze ist hellblau). Allerdings liegt es ungebügelt in einer Schachtel, da ich um ein paar cm zuviel Umfang an Taille und Magen habe. Ninas "Wiener Dirndl" ist allerdings wieder ein anderes als das, welches Elfi Maisetschläger für die LK kreiert hat.

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Re: Dirndlrevue 2022

Beitragvon ju_wien » 17.01.2022 20:53

Ergänzung zu oben: Das von "Ninas Needles" (Nina Kainz) angebotene Wiener Dirndl https://www.ninasneedles.com/dirndl-tra ... enerdirndl fand ich so ähnlich als "Alltagstracht Raum Wien" in dem Trachtenbuch von Hilde Seidl.

Sie schreibt, dass schon 1952 im "Atlas von Niederösterrecćh" von Gustav H. Baumgartner im Raum Wien eingetragen war. Runder Ausschnitt, glatter Rücken (ohne Teilungsnähte), seitliche Knopfverschlüsse, links und rechts unter den Armen. Am Oberteil werden die Knopfverschlüsse echt ausgeführt, am Rock der Schlitz nur auf einer Seite, auf der anderen legt man eine Falte. Viele Farbzusammenstellungen möglich.

Bei der Wienerwald Alltagstracht schreibt Seidl übrigens, dass der Rücken des Brustflecks ursprünglich nur aus Trägern und Bindebändern mit einem einzigen Knopf (wie bei Küchenschürzen) bestand und daraus erst im Zuge der "Trachtenerneuerung" ein Rückenteil mit Knopfverschluss wurde. Das ist gut nachvollziehbar, da die Frauen früher ja nicht diese modernen Dirndlblüschen trugen, die nur bis knapp unter den Busen reichen, sondern ein "Hemmat", also ein langes Hemd mit oder ohne Ärmel. Darüber wurde der Rock getragen und dazu der Brustfleck oder das Mieder oder ein Schultertuch oder eine Strickjacke oder eine Kombination daraus. Die einteiligen Dirndlkleider sind erst im Zuge der Trachtenerneuerung im 20. Jahrhundert entstanden. Ein umgebundener Brustfleck ist weniger passformsensibel und lässt sich auch leichter sich ändernden Lebensumständen und daraus resultierenden Figuränderungen (Schwangerschaft, Stillzeit, reiferes Alter) anpassen als ein Oberteil mit fixem Knopfverschluss. (Siehe das im vorigen Jahr diskutierte Problem mit meinem Tennengauer Dirndl.)

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