ju näht 2018/19

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 17.02.2019 08:14

Sagte ich schon, dass der Stoff sehr dick ist? An der vorderen Kante habe ich davon mit NZ 4 Lagen, dazwischen ev. noch das RV-Band und wo vordere Kante und Kragen zusammenkommen, sind es dann noch viel mehr Lagen. So dicke Stoffe verarbeitet man meist mit angeschnittenen Besätzen, aber das hätte ich mir vor dem Zuschneiden überlegen müssen. Ich habe den Verdacht, dass der halbfertig aufgezeichnete einsame Besatzteil (für den linken VT) mit diesen Bedenken zu tun hat. Ich habe weiters den Verdacht, dass mein damaliger Entschluss, das Problem mit einem Besuch beim Müller und einem farblich passenden dünneren Besatzstoff zu lösen, damit zu tun hatte. Welches Problem lässt sich denn nicht mit ein paar Metern Stoff lösen? Blöderweise ist das soviel Stoff, dass zumindest noch ein ganzer Mantel rausgeht ;-)

Bei frühmorgendlichem Tageslicht betrachtet gefällt mir der beschichtete Besatzstoff allerdings nicht mehr so gut wie seinerzeit im Laden (glänzt auffällig und hat einen Braunstich im Dunkelgrau, der im Oberstoff nicht vorhanden ist). Es sind 3 Meter, ich kann also bequem irgendein ganzes Kleidungsstück daraus nähen, zB einen Regenmantel (das Zeug sieht wasserdicht aus) . Bevor ich weiter nach möglichen Besatzstoffen suche (ist ja nicht so, dass es im Hause ju keine schwarzen und grauen Stoffe in diversen Qualitäten gäbe) und womöglich noch einen kaufe, muss ich mir überlegen, wie ich das Teil genau zuschneiden und zusammennähen will. Also Kaffee- und Nachdenkpause! *♥* (einkaufen gehen kann ich heute ohnehin nicht. So ein Glück *g*)

PS 1: FTR, es sind noch 2,5 m vorhanden, also reichlich genug für Ärmel, Besätze, Kragen und ich kann auch was verschneiden und mir dann immer noch überlegen, ob ich aus dem Rest einen Rock nähen will. (Hose eher nicht, dafür ist er zu dick.) Oder eine Einkaufstasche. Oder whatever.

PS 2: Bei näherer Betrachtung ist der RV zwar sehr schön (mit dicker silberner Raupe und großem Anhängsel zum bequem Angreifen), aber er passt farblich nicht genau zum Mantelstoff. Zum verdeckt Einnähen ist er aber zu schön *hmm* Ich brauche also für den Wollmantel entweder einen schönen langen *passenden* RV zum sichtbar Einnähen oder einen unauffälligen langen RV zum verdeckt Einnähen (unter einem Übertritt, denn ich dann noch konstruieren müsste. Wobei mir grad einfällt, dass der RV ja nicht unbedingt genau in der vorderen Mitte sein muss. Ich kann ihn auch irgendwo innen am Besatz ansteppen, ich muss mir nur überlegen, wie rechter und linker Teil dann übereinander liegen sollen. Und dann brauche ich noch ein Modell + Stoff für den schönen silbernen RV :) Der Kaffee ist eh schon kalt, ich werde also meine RV-Vorräte sichten, damit ich weiß, ob ich heute noch weiter arbeiten kann oder zuerst morgen einkaufen fahren muss.

Zwischen den Schnitt- und Stoffteilen sind mir noch zwei Zettel in die Hand gefallen, mit alten Einkaufslisten und Listen über geplante und unvollendete Nähprojekte. Noch 2 UFOs aufgetaucht *glotz* (wobei ich bei der blauen Jacke, die halb zusammengenäht in einem Kasten im Abstellraum hängt, nicht mehr weiß, welchen Schnitt und welches Modell ich damals im Auge hatte und wozu ich sie tragen wollte. Der Blauton passt nicht zu meiner übrigen Garderoben, nicht einmal zu Jeans). Und dann gibt es noch eine unvollendete Boucléjacke von vor vielen Jahren, die ich damals nicht weiter genäht hatte, weil mir das Futter zu eng war (Oberstoff habe ich noch nicht zugeschnitten). Die könnte ich auch auf die Liste schreiben. Der Stoff ist sehr schön. Den Schnitt werde ich neu rauskopieren müssen, da der alte schon total verknittert und unvollständig ist.

PS 3: Zu dem schönen 82 cm Zweiwegezipp mit dicker silberner Raupe gibt es im Vorrat zwei kleine Geschwister: 18 und 10 cm lang (unteilbar, zB für Anoraktaschen). Ich brauche also unbedingt einen Mantelschnitt, bei dem ich 3 sichtbare silberne RV einnähen kann :)

Außerdem gefunden: einen schwarzen, langen Zweiwegezipp, 95 cm lang. Der würde an sich für den Mantel passen, allerdings sind so lange RV in Mänteln einerseits gut, da sie den Mantel bis unten verschließen (winddicht!), aber andererseits unpraktisch zum Einfädeln, weil meine Hände ja nicht so weit unten sind. Bin noch am Überlegen.

PS 4: Den 95 cm Zipp kann man am oberen Ende kürzen (am unteren nicht!). Außerdem ist mir die Idee gekommen, dass ich ihn in den Stehkragen rein verlängern könnte, wie das bei Sportjacken häufig gemacht wird. Vorteil: wetterfest. Nachteil: kann bei dem dicken Stoff mühsam werden und einen Untertritt sollte ich mir auch überlegen.

Das Posting wirkt schön langsam wie ein Chat mit mir selbst *g*. Und eigentlich sollte ich im Forumsarchiv nachschauen, ob ich mir die ganzen Sachen schon einmal schriftlich überlegt habe und zu welcher Lösung ich damals kam.

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 17.02.2019 10:26

Zwecks mehr Übersichtlichkeit in einem neuen Absatz:
ju_wien hat geschrieben:Und eigentlich sollte ich im Forumsarchiv nachschauen, ob ich mir die ganzen Sachen schon einmal schriftlich überlegt habe und zu welcher Lösung ich damals kam.


No klar ist der Mantel im Forum verewigt. *thumb*

Mit dem Rauszeichnen begann ich am 31. Oktober 2015: viewtopic.php?f=72&t=5547&p=118024&hilit=Mantel%2A#p118071 und bis zum 2. November 2015 auch schon einen Kragenschnitt konstruiert, die Hauptschnitteile zugeschnitten und die Einlagen für die Paspeltaschen aufgebügelt viewtopic.php?f=72&t=5547&p=118024&hilit=Mantel%2A#p118086

Nach nochmaligem Suchen fand sich der Kragenschnitt von damals. Wie ich den Untertritt genau geplant hatte, kapiere ich jetzt allerdings nicht. Und am 1. Jänner 2016 unkte ich schon, dass der Mantel wohl ein Langzeitprojekt wird ;-( viewtopic.php?f=72&t=6568&p=118911&hilit=Mantel%2A#p118911 Glücklicherweise kommt Schwarz-Grau ja nicht so schnell aus der Mode und die damals gekaufte teure Tasche gibt es auch noch.



JFTR: Archivierte Ideen zum bunten Steppmantel, damit ich das Rad nicht alle paar Monate neu erfinden muss
viewtopic.php?f=72&t=6568&p=121385&hilit=Mantel%2A#p121385
Und ein paar weitere Mantelideen und -projekte viewtopic.php?f=72&t=6568&p=121493&hilit=Mantel%2A#p121493 und meine nicht ganz aktuelle Stoffliste viewtopic.php?f=72&t=5547&p=113167&hilit=Mantel%2A#p113167 Ich könnte ja zwischendurch ein paar Einkaufsbeutel nähen. Die gehen schnell und verschönern die Statistik. Allerdings bringen die dünnen Stoffe nicht viel "Luftgewinn" im Stofflager und eigentlich habe ich im Augenblick genügend Taschen und Beutel zum Einkaufen und zum Einstecken "für alle Fälle".

Immerhin sind 2 der Stoffen von diesem Post viewtopic.php?f=72&t=6568&p=121493&hilit=Mantel%2A#p121475 im November 2017 verarbeitet: den Karo-Wollstoff zu einem Cape (das ich sehr gerne anschaue und nur selten trage, weil zuviel Wind, zuviel Rucksack usw.) und den petrolfarbenen Fransenstoff vor kurzem zu einer Umhang-Stola-Westen-Geschichte (siehe Burda 01/2019). Von beiden Stoffen sind aber noch Reste da. (Nachteil beim Müller: da die Stoffe billig sind, nimmt man auf Verdacht 1/2 m mehr, vor allem, wenn ich noch nicht weiß, was genau daraus werden soll und dann schneiden sie an der Kassa noch einen halben m mehr runter, weil sie grad keinen Maßstab greifbar haben. Es ist also *immer* zuviel Stoff da.

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 17.02.2019 16:47

Zwischenbeobachtung: der Mantel (die Jacke) Nr. 4 aus Burda easy HW 2015 war sehr beliebt. Es finden sich jede Menge Fotos und Berichte in Nähblogs (und noch mehr tote Links). Ich hatte danach gesucht, weil ich mir Inspiration für eine elegante und in dem dicken Stoff nähbare Verschlusslösung und Kragenlösung erhoffte. Leider erfolglos. Die eine Hälfte der Hobbyschneiderinnen hat den RV so zwischengefasst, wie es im Heft beschrieben ist und die andere Hälfte hat auf einen Verschluss ganz verzichtet. Da sieht man dann Nähbloggerinnen stolzgeschwellt aber frierend mit offener Jacke in der verschneiten Landschaft stehen *glotz* Genau das wünsche ich mir von einem Wintermantel nicht auch wenn es die Verarbeitung erleichtert. Die meisten haben auch den runden Ausschnitt so gelassen, wie er im Heft gezeigt war. Nur eine hat eine Art Schalkragen drangenäht https://fitzladen.blogspot.com/2016/ - gefällt mir gut, würde aber bei meinem Stoff nicht so gut aussehen.

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 17.02.2019 18:18

Aktueller Stand von UFO1: aufgeschoben! Ich habe die Teile mal nur zusammen gesteckt, weil ich rausfinden wollte, wie weit der Mantel eigentlich ist. (Hintergrund: als ich im Oktober 2015 damit begann, hatte ich um rund 10 kg mehr.) Meiner Meinung nach kann ich die vorderen Kanten, die vom Schnitt her eigentlich mit RV-Raupenabstand aneinander stoßen sollten auch überlappen lassen, ohne dass irgendwas zieht. Ich möchte dazu aber den fachkundlichen Rat meiner Nähkursleiterin einholen und der nächste Kurs ist erst am 2. März.

Bis dahin kann ich schon mal den Schnitt für die Taschenbeutel rauskopieren und die einseitigen Paspeltaschen nähen, denn an denen wird sich nichts mehr ändern. Und mir ein paar Kragenvarianten überlegen. Und die Bücher und Hefte einschlichten, die ich gestern und heute rausgeholt und über die Wohnung verteilt habe ;-) Und das Material zum Mantel ordentlich schlichten.

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 22.02.2019 09:05

Keine Zeit zum Nähen gehabt, aber eben was gesehen, das eine gute Idee für ein zukünftiges Projekt sein könnte:

Ein Kinderregenmantel war aus zwei Lagen genäht: Fleece + dünne Plastikfolie (ca. wie ein Tischtuch oder Duschvorhang). Die Lagen waren an den Teilungsnähten getrennt und an den Säumen zusammengefasst - zumindest an der Kapuze deutlich erkennbar, sonst nicht und da der Mantel einem wildfremden kleinen Mädchen gehörte, konnte ich nicht gut dran zupfen, um die Verarbeitung zu sehen.

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 01.03.2019 12:42

Ich nähe noch nicht und in den nächsten Tagen wird es damit auch nichts werden, da ich am Sonntag Gäste habe und mein Nähzeug verstauen muss, aber ich kopiere einen Schnitt. Den für das Kleid in der Mitte mit den Zacken: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno- ... 59&size=45

Vorbereitungen bisher:
- Bei ONB angefragt, ob sie mir den Schnittbogen einscannen würden und was der Spaß kostet (25 Euro).
- Scan bestellt
- Scan runtergeladen
- Nachmittag + Abend damit vertrödelt, zu versuchen, ob ich den Scan (Original 1 m mal 70 cm) per Inkscape in bürodruckertaugliche Häppchen aufteilen kann (noch nicht ganz gelungen, aber ich bin auf dem Weg) und ob ich - ebenfalls mit Inkscape die Schnittmuster "nachzeichnen" und in getrennte Dokumente speichern kann. Da stehe ich noch ganz am Anfang und habe *viel* Lesen, Lernen, Üben vor mir.
- Am Mittwoch ins Copyshop gegangen, das große Ding ausdrucken (12,20 für 2 Ausdrucke). Funktioniert, aber recht dunkel (was am Original liegt, das halt schon über 80 Jahre alt ist)
- Mich an Scantailor erinnert http://scantailor.org/ mit dem ich Scans von alten Büchern schon erfolgreich nachbearbeitet habe. Funktionierte auch tadelos, aber Scantailor hat die Größe von meinem Dokument nicht geglaubt und mir ein kleineres fast quadratisches ausgespuckt ;-)
- Gegoogelt, an den Einstellungen gedreht und einen neuen Versuch gemacht: -> kleiner, aber unter Erhalt der Proportionen. Das ist ja schon was :) Mit Gimp wieder aufs richtige Druckformat gebracht und von TIF ind PDF umgewandelt und wieder zum Copyshop marschiert. Und gleich 2x ausdrucken lassen: einmal im Originalformat und einmal um 50% verkleinert, für meine 1:2 Schneiderpuppe.
- Diesmal ist der Plan schön schwarz auf weiß und lässt sich gut kopieren.
- Naja: fast gut kopieren ;-) Die Linien liegen oft sehr eng neben- und übereinander, manchmal sind sie auch unterbrochen.
- Für den Oberteilschnitt: Vorder- und Rückenteil + 2 Passenteile habe ich gestern Nachmittag und heute Früh gebraucht und dazwischen immer wieder Pause gemacht, weil es für die Augen richtig anstrengend ist. Ärmel und zwei Rockteile fehlen noch und dann noch die Teile für Kragen und Jabot. Ich zeichne die Teile zunächst einmal in Puppengröße heraus, weil ich mir erst anschauen will, wie das überhaupt funktioniert, bevor ich 2-3 Meter guten Wollstoffes verschneide.

Bisherige Erkenntnisse: Im Grunde funktioniert es wie heutige Schnitte. Abnäher, Falten, Knopflöcher usw sind ähnlich markiert. Es gibt auch viel Nummern an allen Ecken, damit man weiß, wie die Teile zusammen gehören ("Nähen nach Zahlen" oder so). Beim Vorderteil und vorderen Passenteil sind unterschiedliche Kantenverläufe für rechts (Übertritt, mit Zacken) und links (Untertritt, gerade) eingezeichnet. Allerdings fehlt dazwischen einmal ein Stück Untertritt. Muss man ergänzen, sonst gibt's am Bauch ein Luftloch. Die vordere Mittellinie ist auch nicht eingezeichnet, die kann man allenfalls aus der Position der Knopflöcher ableiten. Fadenlauf ist bei manchen Teilen eingezeichnet, bei anderen nicht. Besätze sind nicht eingezeichnet und auch in der Anleitung nicht extra erwähnt. Muss man eben wissen :)
Einlagen im heutigen Sinn werden in der Anleitung nicht erwähnt. Es steht nur da, dass man die Ränder durch untergesetzte Stoffstreifen sichern soll. Futter ist auch nicht erwähnt. (Allerdings trugen die Damen damals mehr Unterkleider, da war Füttern nicht unbedingt nötig.)

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon Zora » 02.03.2019 01:05

Ich bin mal gespannt, wie es dann wird!

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 02.03.2019 06:40

ich auch :) bei dem Ärmelschlitz mit den Zacken habe ich genau Null Nahtzugabe. Das wird spannend zu nähen. Und die Knopflöcher am Ärmel sind halb schräg zum Fadenlauf.

zackenaermel-2.jpg
zackenaermel-1.jpg
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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon insa-ana » 02.03.2019 12:34

Da ja früher feine Kleider mit der Hand gewaschen oder in die Reinigung gebracht wurden brauchten die ja nicht so viel Zugabe, an so heiklen Stellen. Aber heute gibt es ja Gott sei Dank Bügeleinlage. Bei den Knopflöchern haben sie sicher einen Faden eingezogen, bevor sie es fein säuberlich mit ded Hand genäht haben. Ich kann das zwar aber lasse es lieber meine Nähmaschine machen. *grins*
Ich bin schon gespannt wie das feine Stück wird.
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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 02.03.2019 15:14

Die Anleitung sieht Paspelknopflöcher vor und verweist dazu auf eine andere Stelle am Schnittbogen, wo sie gezeigt werden.
paspelknopfloecher.png

Ich werde sie aber erst beim "richtigen" Kleid nähen, glaube ich. Im Maßstab 1:2 mit vielleicht 1,5 bis 2 mm Paspelbreite wird mir das zu fummelig.

Ansonsten hat die Bazar-Redaktion offenbar ähnlich gearbeitet wie heutige Schnitthersteller: Selbstverständliche Schritte werden erklärt ("Abnäher schließen", "unteren Rand (des Rockes) hohl säumen"), ungewöhnliche oder schwierige Arbeitsschritte (die Zacken!) werden nicht einmal erwähnt . (Bloß keine schlafenden Hunde wecken *cool* )

Ich rätsle zB darüber, ob die Zacken am rechten Oberteil so gefertigt wurden, wie man das heute machen würde (passenden Stoffstreifen rechts auf rechts aufstecken oder heften, Zacken mit kurzem Stich steppen, Nahtzugaben zurückschneiden bzw einknipsen, wenden, bügeln) oder ob sie nicht gedoppelt wurden.

Lt. Anleitung soll man zuerst die von der Schulternaht ausgehenden Fältchen steppen, dann die Miederteile den eingehaltenen Blusenteilen schmalkantig aufsteppen, dann, nach Ausfertigung der Paspelknopflöcher, die Ränder durch untergesetzte Stoffstreifen sichern. Das klingt mir nicht nach doppeln, sondern nach Nahtzugaben der Zacken schmal umbiegen und innen ein Stoffstück (mit der Hand) gegensetzen.

In einem Nählehrbuch aus der Zeit (Hilde Vavra: Grundlehre der Schneiderei; Beyer-Verlag, 1937) werden Zacken so erklärt, wie wir sie heute machen. Aber halt anhand eines "normalen" Zackenrandes und nicht bei einem Oberteil, wo die Zacken auf "Blusenteil" und "Mieder" verteilt sind und die optisch auch noch zu den Zacken an den Ärmeln passen sollen.

Da ich für das 1:2 Modell nicht viel Stoff brauche und auch nicht unter Zeitdruck stehe, werde ich mehrere Varianten ausprobieren, aber es wäre halt interessant, wie das eine Schneiderin anno 1931 gelöst hat.
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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon insa-ana » 03.03.2019 12:13

Ich weiß ja nicht ob dir das hilft, aber ich hatte mal ein sehr schönes Kostüm aus den 40er Jahren. Da waren Bögen an vorderer Mitte und Armeln, mit Knopflöchern und überzogenen Knöpfen zu schließen, das hatteein Belege aufgenäht. Ein Samtkleid aus den 30ern, das ich mal besessen habe war auch so verarbeitet.
Die Paspelknopflöcher sind sicher eh kein Problem für dich, die sind ja ganz klassisch.
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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 03.03.2019 17:41

Hallo insa-ana,

oja, das interessiert mich! Mit "aufgenäht" meinst du, dass sie innen mit der Hand angenäht wurden?

Ich überlege ja auch schon, in welchen Museen und Sammlungen es Kleidung aus dieser Zeit geben könnte. Leider darf man die aber nicht angreifen und umdrehen - was ich andererseits aus konservatorischen Gründen verstehen kann.

Und ja, Paspelknopflöcher habe ich schon gemacht. Ich schau zwar jedesmal wieder nach, wie sie gehen, aber dann klappt es. Beim Nachlesen gestern ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass es laut manchen Quellen einen Unterschied zwischen "eingefassten Knopflöchern" und "Paspelknopflöchern" gibt. Bei ersteren wird ein ganzer Stofffleck aufgesteppt, durchgezogen und zu Paspeln gefaltet, bei zweiteren werden zwei gefaltete Streifen verwendet. Außerdem steppt man bei den eingefassten Knopflöchern ein Rechteck, bei den Paspelknopflöchern nur 2 parallele Nähte. Im Ergebnis sehen sie aber gleich aus.

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon ju_wien » 10.03.2019 14:49

Ich nähe grad nicht, sondern betreibe Ladenarcheologie. Unglaublich, was man findet, wenn man in Laden und Kästen erst einmal irgendwas zur Hand nimmt, was man nicht jede Woche verwendet.

Mein wahrscheinlich ältestes UFO: ein Jeansmantel, den ich 1975/76 begonnen habe. Gekauft habe ich den Stoff (Denim, ohne Elastan) und die Bügeleinlage während meines Nizza-Aufenthaltes 1975/76 (in einem Stoffladen im Cap 3000). Der Schnitt stammt aus der Jänner-Burda 1976, IIRC. Es ist eine Art Trenchcoat und er ist eigentlich eh fast fertig. Alle Nähte gesteppt und die meisten abgesteppt, Kragen angesetzt und geheftet. Futter zusammengenäht. Diverse Einzelzeile genäht, gewendet, abgesteppt. Was mich dann gebremst hat, weiß ich nicht mehr. Heute jedenfalls ausgegraben und in die Waschmaschine gesteckt. Das Futter ist schon gebügelt, der Jeansstoff braucht noch Zeit zum Trocknen. Was ich für die Fertigstellung noch finden muss: den restlichen Stoff, vermutlich zugeschnittene Teile. Beim Mantel war nur ein Taschenbeutel (sollen aufgesetzte Taschen werden), einer von den Riegeln, die auf die Ärmel kommen sollen und eine Gürtelschlaufe. Papierschnitt und Anleitung sind auch verschollen.

Zweites UFO, etwas jünger: eine ganz weite Viskosehose, die seitlich so "Ohrwascheln" hat, die man nach vorne umklappt und mit einem Knopf befestigt, IIRC. Eigentlich auch fast fertig. Es fehlen nur Reißverschluss, Bund und Saum. Das Sackerl mit dem frisch gekauften RV war sogar dabei, Knöpfe nicht. Außerdem muss ich für diese Hose erst die Anleitung finden (irgendeine Burda der 1980er Jahre, vielleicht auch später). Und, sobald sie getrocknet und gebügelt ist, vorsichtig reinschlüpfen und schauen, um wieviel mir der Bund zu eng ist und ob sich das mit der Nahtzugabe hinkriegen lässt. (Damals hatte ich ja das Problem, dass alle Hosen, die um meine Hüften passten, um die Taille viel zu weit waren. Dieses Problem habe ich nicht mehr.)

Drittes UFO: Stoff und halb zugeschnittene Ärmel für eine Jacke. Der Rest hängt seit Jahren in dem Kasten, in dem meine Sommersachen überwintern und Wintersachen übersommern. Ich kann mich vage erinnern, dass das Ding damals zu weit war und an den Armlöchern grausig abstand. Daher habe ich die Ärmel gar nicht eingesetzt, da ich dieses Problem vorher lösen wollte. Das "zu weit" dürfte sich im Laufe der Jahre von allein gelöst haben, die Armlochpassform wahrscheinlich nicht. Außerdem bezweifle ich, dass ich diese blitzblaue Wollstoffjacke je tragen würde. Werde mal schauen, ob ich den Reststoff für Übungsstücke im Nähkurs verwenden kann. Die Qualität ist ja gut.

Viertes UFO: ein jeansblauer Lastexstoff, auf dem Schnitteile stecken (noch nicht zugeschnitten). Es sollte offenbar eine Kniebundhose für's Wandern werden und ich habe offenbar damals den Schnitt schon für mich angepasst. Aber dieses gute Stück ist völlig aus meinem Gedächtnis verschwunden. Ich habe keine Ahnung, wann ich es begonnen habe, woher der Schnitt stammt, welche Größe ... also schon mehr ein Alien als ein UFO ;-)

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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon insa-ana » 16.03.2019 11:05

Der Beleg an dem Kostüm war aufgesteppt und ganz normal verstürzt. Nahtzugaben waren ca 3- höchstens 4mm. Ich habe mal im Wiener Nähbuch nachgesehen wie so etwas in den 40ern genäht wurde.
Voilà
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Re: ju näht 2018/19

Beitragvon insa-ana » 16.03.2019 11:07

Ich hoffe es ist noch lesbar, ich musste die Pixel so stark reduzieren.
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